Niemand muss falsche Bedingungen als gegeben hinnehmen

10 Zukunftsfragen an Harald Katzmair – der international erfolgreiche Unternehmensberater mit philosophischem Blick fürs Ganze spricht auf dem Future Day über einen kreativen Umgang mit Disruption.

1.Welcher Trend wird die Zukunft viel stärker prägen als wir denken?

Nicht direkt ein Trend, eher eine Mischung auch Suche und Sehnsucht – nach Sinn, nach neuen Mustern, nach Orientierung in einer Welt, die so variabel ist wie nie zuvor. Im Bemühen um absolute Sicherheit und Berechenbarkeit haben Wirtschaft und Gesellschaft die nötige Beweglichkeit verlernt. Sie haben ihre Wege durchgehend asphaltiert. Aber die Beweglichkeit, die resilient macht, lernt man nicht auf der Autobahn, sondern in unwegsamem Gelände.

2. Was ist Ihrer Meinung nach ein überschätzter Trend?

Digitalisierung als Antwort auf jede Frage. Technologie kann ein Mittel sein, aber kein Allheilmittel. Sie ist ein Tool, aber nicht die Lösung.

3. Was wird in unserer Gesellschaft in 20 Jahren anders sein?

Gar nicht so viel. Zukunft ist auch immer Wiederkehr. Zukunft speist sich aus Erinnerungen und damit kommt oft das Vergangene in neuer Form zurück.

4. In welcher Form beeinflussen Trends Ihre Arbeit?

Unsere Arbeit ist vom Neuen getrieben, wir brauchen einen permanenten Raum der Resonanz. Trends sind eine wichtige Quelle, Ressourcen aufzunehmen.

5. Wann hat Sie ein Trend zum letzten Mal so richtig überrascht?

Als ich 2004 in den USA war, bin ich zum ersten Mal mit Facebook in Kontakt gekommen. Ich habe mir zuerst gedacht, dass da eine zu große Dosis Narzissmus drin ist. Mit dem Siegeszug der Social Media-Vernetzung hätte ich damals nicht gerechnet.

6. Welche Prognose der vergangenen Jahre lag am meisten daneben?

Die Prognose der Entwicklung des Ölpreises in immer weitere Höhen. Noch vor ein paar Jahren war von „Peak Oil“, dem Ende des Öls, die Rede. Heute gibt es mehr Öl denn je, und der Preis ist im Keller.

7. Wer ist Ihr Lieblingsdenker zum Thema Zukunft?

Richard Buckminster-Fuller. Er war Architekt, Entwickler, Designer, Philosoph und Schriftsteller – ein echtes Universalgenie. Beeindruckt hat mich sein Lebensziel: zu entdecken, was eine einzelne Person dazu beitragen kann, die Welt zum Nutzen der Menschheit zu verändern. Damit wurde er Visionär und einer der großen Denker des 20. Jahrhunderts. Begriffe wie Synergie, die er vor Jahrzehnten mitgeprägt hat, leiten uns noch heute.

8. Welche Innovation wünschen Sie sich?

Dass man mit Smartphones ordentlich telefonieren kann – das Comeback der Urfunktion des Geräts in guter Qualität wäre eine echte Innovation.

9. Was treibt Sie zur Verzweiflung?

Die unerträgliche Fragmentierung, die um sich greift. Wenn Menschen nur noch kleine Kapseln bauen und Unternehmen nur ihre eigenen Öko-Systeme pflegen, kann Gesellschaft nicht funktionieren. Dieser Tribalismus lässt Verantwortung für das Große, das Ganze, schwinden. Damit wird eine Abwärtsspirale des Kleinen in Gang gesetzt: Aus Kleinheiligkeit wird Kleinweltlichkeit, wird Kleinkariertheit.

10. Was gibt Ihnen Anlass zur Hoffnung?

Die Menschheit ist kein beendetes Projekt. Niemand muss sich dem Fatalismus unterwerfen und falsche Bedingungen als gegeben hinnehmen. Wir sind immer zur Weiterentwicklung fähig, sonst würde es uns nicht mehr geben. Das gibt mir Hoffnung.

Erleben Sie Harald Katzmair live – als Redner beim Future Day 2016

Posted on 6. Mai 2016 in Allgemein

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